Keine 3 Sekunden-Regel in China

Durch das zeitintensive Programm des Vortages und der dadurch bedingt zu kurzen Nacht verließen wir unser Hotel, ausgestattet mit einem interessant anmutenden Lunchpaket, viel zu früh in Richtung Bushaltestelle. Via Bus und Bahn und Bus und Bus führte uns unser Weg zusammen mit unseren Freunden der Shangdong Universität in zum Taishan. Nach geschlagenen vier Stunden und in dichtem Nebel erreichten wir die hochgelegene Talstation des Berges, von wo aus noch nichts vom Ziel zu erahnen war.

Der niedrige Ausgeruhtheitsgrad und das miese Wetter minderten unsere Motivation für die Gipfelbesteigung kein Stück. Die Eintrittskarte versprach eine überfüllte Treppe zum Gipfel, die uns zum Glück erspart blieb. Stattdessen erwarteten uns in den folgenden zwei Stunden fünfmal so viele Stufen wie beim “Rockefeller-Climb to the Top” bezwungen werden müssen (nämlich schafften wir 6293 Stufen). So gelangten wir auf insgesamt 1580m Höhe und bestätigten das Klischee des eifrigen deutschen Wanderers. Große Teile des Weges wurden wir vom Geruch der Räucherstäbchen begleitet,  die zu religiösen Zwecken von den Anhängern des Buddhismus angezündet wurden. Im Gegensatz zu der wunderschönen Aussicht bei überraschend tollem Wetter oberhalb der Wolkendecke, sollte man allerdings nicht allzu viel Zeit damit verbringen die Sanitäranlagen genauer zu betrachten. Aufgrund der Notwendigkeit das Spülwasser von Bambus-Trägern auf den Berg bringen zu lassen, waren hier olfaktorische und optische Defizite zu erkennen. Ist etwas in der Nähe der Toilettenhäuschen runter gefallen überlegte man sich daher zweimal, ob ein Aufheben sich lohnt. Unsere fallengelassenen fünf Jiao ließen wir nach einem unterdrücktem Reflex liegen. Ein Chinese hatte weniger Glück, denn er ließ sein Handy neben das Toiletten-Basin fallen und nahm es widerstrebend wieder auf.

In ausreichender Distanz zu den eben genannten Anlagen nahmen wir an einem windgeschützten Plätzchen unsere mitgebrachten Mittagssnacks zu uns. Für die Faulen unter uns ging es danach die 6293 Stufen im Krabben-Gang wieder ins Tal, während der Rest den beschwerlichen, ebenen Weg zur Seilbahn auf sich nahm.

Auf dem Weg zurück ins Hotel verbrachten wir leider mehr Zeit als uns lieb war am Bahnhof und im, von zahlreichen, zum Semester-Start wiederkehrenden, Studenten überfüllten, Zug. Schafften es letztlich allerdings doch erschöpft und glücklich in unsere Betten.

Julia & Simon

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